Gestern morgen war es soweit. Die letzte Masche von Firelight war abgekettet. Ich saß gemütlich mit einer Tasse Kaffee da und vernähte die Fäden. Die Welt war in Ordnung. Doch plötzlich machte sich eine gewisse Unruhe in mir breit. Zuerst konnte ich das Gefühl nicht einordnen. Fäden vernähen macht mir nichts aus, daran konnte es nicht liegen. Doch es ließ sich nicht verdrängen. Etwas stimmte nicht. Es war die Frage „Was stricke ich jetzt?“

Normalerweise kein Problem. Zwei WIPs – Socken und ein Tuch – habe ich noch. Zudem einen Wollvorrat, der auch spontane Strickaktionen durchaus zulässt, enthält er doch genug Wolle für ca 10 Pullover, diverse Knäuel für Kleinteile und zwei große Plastikboxen mit Sockenwolle. Auch mit Werkzeug und Anleitungsbüchern bin ich gut ausgestattet und meine Queue auf Ravelry auch.

Doch gestern morgen gab es einen Haken – ich war gar nicht Zuhause. Seit Samstag habe ich Urlaub, drei ganze Wochen. Derzeit besuche ich meine Lieblingsmann, der aber noch bis Mittwoch arbeiten muss, Mittwoch Abend geht’s nach Hause und dann fahren wir zusammen weg. In der Pendlerwohnung von meinem Lieblingsmann lagert natürlich keine Wolle.

Jetzt denkt ihr bestimmt „Wie, da fährt sie für fünf Tage weg und hat nicht genug zum Stricken dabei? Das würde mir nie passieren!“

Mir normalerweise auch nicht. Meine Strickgeschwindigkeit überschätze ich total. Normalerweise habe ich im Vergleich zu dem, was ich realistisch geschätzt schaffen könnte, locker das dreifache dabei.

Doch diesmal habe ich mich schlicht und einfach verplant. Das ich für Firelight nicht mehr lange brauchen würde, war mir schon klar. Das Schultertuch aus Sockenwolle habe ich mitgenommen. Damit ich es fertig bekomme und nicht immer wieder beiseite lege.

Was mir gestern morgen so eine Unruhe bescherte, war die zunehmende Gewissheit, dass ich das Tuch aus einem guten Grund immer wieder beiseite gelegt hatte. Daraufhin habe ich es mir noch einmal genau angesehen. Die Farben – toll. Das Muster – bringt die Farben richtig gut zur Geltung. Daraufhin habe ich es mir so um die Schultern (bzw. eine Schulter und 2/3 Rücken) gelegt, wie es später getragen werden soll.

Da wurde mir klar, was nicht stimmt. Die Wolle liegt auch bei dieser Trageweise auf einem Stück nackter Haut am Hals – dafür ist sie mir zu kratzig. Am Hals bin ich sehr kratzempfindlich. Außerdem betont ein Schultertuch naturgemäß die Schultern. Da ich breite Schultern habe, steht mir das einfach nicht. Ich könnte das Tuch zwar fertigstellen, doch dann würde ich es wahrscheinlich nur sehr selten anziehen.

Dafür ist die Wolle zu schön, das hat sie nicht verdient. Eine Alternative für die Wolle hatte ich schnell gefunden. Bunte Handschuhe, das würde super passen. Doch die passende Nadelstärke hatte ich nicht dabei und Sonntags sind keine Strickläden geöffnet.

Was also tun? Da fiel mein Blick auf die Garnreste von Firelight. Klar, daraus könnte ich noch was machen. Für eine Mütze müsste das reichen und Zuhause habe ich mehr davon – da sind auch noch passende Handstulpen drin. Da saß ich also Sonntag morgens und suchte hektisch nach einer passenden Anleitung. Mein Lieblingsmann war übrigens sehr verständnisvoll, konnte sich aber ein kleines Grinsen nicht verkneifen.

Als ich eine Anleitung gefunden hatte, ging es mir schlagartig viel besser. Damit würde ich erstmal über die Runden kommen. Zur Not könnte ich ab Montag immer noch ein Nadelspiel für die Handschuhe kaufen.

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