Das Wollschaf fragt heute:

Was ist eure persönliche „Königsdisziplin“ beim Stricken? Aran? Lochmuster? Norwegermuster? Doppelstrick? Verkürzte Reihen?

Das sind nur Stichworte; vermutlich habt ihr eure ganz eigene Vorstellung von dem, was für euch das als am höchsten zu bewertende Strickkönnen ist.

Vielen Dank an Michaela für die heutige Frage.

Mit meinem derzeitigen Strickkönnen würde ich mich selber als anfänglich fortgeschritten bezeichnen. Es gibt so vieles, was ich noch nicht ausprobiert habe. Aber genau das ist auch das Faszinierende am Stricken, dass es so viele Möglichkeiten gibt, dass ein einziges Leben gar nicht reichen wird, um alles einmal auszuprobieren. So wird es nie langweilig.

Schwierig ist an sich immer das, was man noch nicht ausprobiert hat. Aber wenn man nichts neues probiert, lernt man auch nichts dazu. Meine erste Mütze zum Beispiel habe ich mit einer anderen Garnstärke gestrickt, als in der Anleitung angegeben war. Das Garn war mehr als doppelt so dick. Dabei habe ich viel über Umrechnen auf unterschiedliche Maschenproben gelernt – und dass es nicht nur auf die Anzahl der Maschen sondern auch auf die der Reihen ankommt.

Mein erstes Tuch war ein simples Dreieckstuch – ein Baktus. Dabei habe ich Abnehmen und Zunehmen ohne Löcher gelernt. Dann habe ich den Hitchhiker ausprobiert, und mich dabei über jeden einzelnen Zacken gefreut. Was mir diese beiden Tücher vor allem beigebracht haben ist, das normale Sockenwolle für mich am Hals zu kratzig ist.

Also habe ich das nächste Tuch – Magrathea – aus Baumwolle gestrickt. Ich hatte mir extra ein Tuch mit einem großen Teil in glatt rechts und einem schmalen Rand mit Lochmuster ausgesucht, damit ich einerseits gut voran komme und andererseits Lochmuster und Strickschriften lerne. Das Anfangsdreieck für dieses Tuch musste ich bestimmt fünf Mal anfangen, weil ich mit ständig vertan habe und beim Auftrennen ratz fatz viel zu viele Maschen verloren habe. Erst mit regelmäßigen Lifelines ging es dann – gegen Ende des Tuchs konnte ich das Muster auswendig und auch heruntergefallene Maschen im Muster wieder retten. Herrlich weich ist das Tuch durch die weiche Baumwolle (Schachenmayer Egypto Cotton Color), die so gar keine Ähnlichkeit mit Topflappengarn hat, dann auch noch geworden.

Mein erster Pullover – Owls – über den ich hier im Blog ausführlich geschrieben habe, hat mir gleich mehrere Dinge beigebracht. Zum Einen , dass es seeehhr wichtig ist, die eigenen Körpermaße mit der Anleitung zu vergleichen und auch die Maße, die nicht angegeben sind, einfach kurz auszurechen, um zu häufiges Auftrennen zu vermeiden. Das Wichtigste ist aber, ein Modell auszusuchen, dass zur eigenen Körperform passt. Bei Owls war mir das nicht gelungen. Da hatten mich die entzückenden Eulen so abgelenkt, dass ich darauf gar nicht geachtet habe. Doch auch bei dem Pullover, an dem ich derzeitig arbeite, musste ich mich regelmäßig dazu zwingen, tatsächlich zu rechnen und zu messen und nicht einfach im Überschwang wild drauflos zu stricken.

Lochmuster schrecken mich in kleinen Dosen nicht mehr, aber ein ganzes Tuch in einem komplizierten Lochmuster, vielleicht sogar in einem, in dem in den Rückreihen nicht einfach nur linke Maschen gestrickt werden, stelle ich mir schwierig vor.

Farbwechsel finde ich immer noch schwierig. Bisher habe ich mich an Norwegermuster noch nicht herangetraut. Die einzigen Farbwechsel waren Streifen. Da fällt es mir noch nicht leicht, den Faden auf der Rückseite locker genug zu lassen.

Wenn ich nun also darüber nachdenke, was für mich aktuell die Königsdisziplin ist, komme ich zu mehr als einer Antwort.

1. Königsdisziplin – Pullover stricken, der passt und zu meiner Körperform passt

Status: Bis jetzt noch nicht gelungen, aber ich arbeite dran.

2. Königsdisziplin – Lacetuch mit nicht eingängigem Muster

Status: Da traue ich mich noch nicht ran

3. Königsdisziplin – Zopfmuster

Status: Bisher nur bei Owls, aber dieses Jahr möchte ich noch einen Pullover mit mehr Zöpfen schaffen. Ein richtiger Aran wird wohl noch etwas dauern.

4. Königsdisziplin – Norwegermuster

Status: Vielleicht erst mal ein paar Fausthandschuhe oder eine Mütze, ein Pullover schreckt mich noch ab

Was ich aber am spannendsten finde ist die Frage, was meine Antwort auf die Frage nach der Königsdisziplin im nächsten Jahr um diese Zeit sein wird. Wie viel habe ich wohl bis dahin schon gelernt, was ich jetzt noch schwierig finde. Doch ich bin mir sicher, dass es immer noch Neues zum Ausprobieren geben wird.

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